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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

XIV DARK CENTURIES: Vom Wald inspiriert

Die Pagan Metal-Formation XIV Dark Centuries meldet sich nach langer Zeit mit einem neuen Longplayer zurück - ihr aktuelles Album Waldvolk ist am 28.02.2020 via Einheit Produktionen erschienen und ein starkes Brett, dem man seine Reifezeit positiv anmerkt. Mit Drummer Manu und Frontmann Michel führten wir ein Mail-Interview, in dem uns die Recken nicht nur die längere Veröffentlichungsabstinenz erklären, sondern mit uns über den "Lebensraum Wald", das Hobby "Reenactment" und manch andere, spannende Themen plauderten.

Otti:
Euer neues Album Waldvolk ist mittlerweile veröffentlicht. Seit dem letzten Werk Gizit Dar Faida sind etwa neun Jahre vergangen, doch schon eine recht lange Zeit. Was habt Ihr also in der Zwischenzeit getrieben?

Manu:
Es ist viel passiert seit Gizit Dar Faida.. Es gab mehrere Besetzungswechsel, was eine Band erst mal zurückwerfen kann. Die beiden "alten" Gitarristen sind nun wieder dabei, und ich spiele jetzt das Schlagzeug. In der Besetzung proben wir seit ca. Dezember 2017. Wir fingen dann an, das Liveset zusammenzustellen und zu proben, neue Songs schreiben, Lieder aufzunehmen, zu produzieren usw... Dann gibt es noch das private und berufliche Leben. Das kostet natürlich alles seine Zeit. Und so ziehen die Jahre an dir vorüber. Aber gut, das Album ist jetzt fertig und wir sind sehr zufrieden damit. Das letzte halbe Jahr haben wir damit verbracht, die Promotion und die Special Sets vorzubereiten (Vinyl-LP, Holzbox CD).

XIV Dark Centuries
"Im Wald fühlt man sich den Göttern am nächsten."

Otti:
Wie und unter welchen Umständen ist das neue Material denn entstanden und gewachsen?

Manu:
Wir arbeiten tatsächlich sehr viel mit dem Rechner, da uns die räumliche Distanz unserer Wohnorte, als auch Verpflichtungen in der Arbeit und auch privat, oft nicht viel Zeit lassen, abgesehen von spontanen Ideen, Songs von Anfang bis Ende klassisch im Proberaum zu komponieren. Wenn ein Mitglied der Band eine gute Idee hat, wird diese zuhause aufgenommen, weitergeschickt, modifiziert und verfeinert, bis wir letztendlich im Proberaum an den Feinheiten arbeiten können.
Waldvolk ist in einer sehr langen Zeitspanne entstanden. Die meisten Texte werden von Michel geschrieben. Aber auch Tobalt hatte darauf Einfluss. Die restlichen Bandmitglieder konzentrieren sich eher auf den instrumentalen Part. Bei Waldvolk war es so, dass jedes Bandmitglied auf die instrumentalen Kompositionen Einfluss hatte. Tobalt hat wohl einen großen Teil an Ideen beigetragen. Aber auch unsere ehemaligen Bandkameraden Rüd, Richy und Roman, mit denen wir nach wie vor befreundet sind, hatten noch Einfluss bei einigen Stücken. Ich selbst kam 2017 dazu und konnte auch einige Ideen einbringen.

Otti:
Bei einer sechsköpfigen Band ist es wahrscheinlich nicht einfach, alle Ideen und Wünsche für ein neues Album unter einen Hut zu bringen. Wo lagen die größten Schwierigkeiten, denen Ihr Euch stellen musstet, um Waldvolk für Euch alle "passend" zu machen?

Michel:
Nunja, die Lieder für die CD standen Ende 2017 schon. Wir wollten mit der Auswahl der Lieder einen Bogen schlagen von der Skithingi (2006), noch mit Tobalt und Uwe an der Gitarre, der Gizit dar Faida (2011), mit Roman und Richy als Gitarristen, bis hin wieder zur heutigen Zeit, wieder mit Tobalt und Uwe. Daher haben wir einige Lieder neu aufgenommen die vor 2006 entstanden sind (Julenzeit, Bragarful, Runibergun), einige Lieder aus der Ära dazwischen und einige neue Lieder. Alle aber neu arrangiert. Manu hat dann Anfang 2018 noch neues Schlagzeug dazu beigesteuert... und so waren wir uns relativ schnell einig. An den Feinheiten haben wir natürlich noch etwas gearbeitet. Das passiert aber meist im Studio, auch die Idee mit der Violine kam eher spontan.

Otti:
Und was waren die entscheidenden Momente, in denen ihr wusstet: Das wird ne geile Scheibe?

Manu:
Das wussten wir nicht... aber beim Songwriting gibt es manchmal solche Momente, in denen man denkt: "Ja, dieser Part ist schon cool..." :)

Michel:
Ich habe bei den Refrains der Lieder diesmal etwas mehr darauf geachtet, dass sie mitsingbar werden, heraus stechen und den Hörern im Gedächtnis bleiben. Dass es gute Lieder sind, merkt man nach einer gewissen Zeit. Und... wir haben die Platte ja nicht mit Lückenfüllern aufgefüllt, sondern hatten lange Zeit, alles zu planen.

Otti:
Wie der Name des neuen Albums sowie das Lied Atme den Wald vermuten lassen, geht es unter anderem um den Wald als Lebensraum. Welche Bedeutung hat dieser für Euch?

Manu:
Der Wald ist ein wichtiger Ort der Erholung und Inspiration. Etwas göttliches, das sich nicht zufriedenstellend in Worte fassen lässt. Etwas, das geachtet und geehrt werden muss, da alles in der Natur einzigartig ist. Im Wald fühlt man sich den Göttern am nächsten.

Michel:
Der Wald ist für einen Heiden das, was für ein Christen die Kirche ist. wir leben hier im Thüringer Wald, wahrscheinlich eines der größten durchgehenden Waldgebiete Deutschlands. Wann immer wir gestresst sind oder erschöpft von der Arbeit oder ähnlichem, findet man seine Ruhe und seinen Frieden im Wald. Dabei ist es egal, ob es im Sommer oder Winter ist, ob Totenstille herrscht wie im Winter, oder im Frühjahr oder im Sommer Vögel zwitschern, Bäche plätschern oder der Wind heult. Es beruhigt ungemein, und ich denke in dem Fall spreche ich für die meisten Thüringer.

Otti:
"Echten" Wald gibt es in Deutschland ja so gut wie nicht mehr nach Jahrhunderten der Forstwirtschaft. Jetzt wird das Thema im Zuge des Klimawandels immer häufiger diskutiert und Politiker kommen mit den unterschiedlichsten Ideen, wie die deutschen Wälder für die Zukunft gerettet werden sollen. Was sind Eure Ansichten dazu?

Michel:
Also erstens sollte der Wald Gemeingut sein, bleiben oder werden. Es sollte Wirtschaftswald geben, der gepflanzt, gepfegt und geerntet wird. Andererseits sollte es Naturwald geben, der eben nicht mit schweren Maschinen und Gerät beackert wird, wie das in letzter Zeit auch oft hier in Südthüringen der Fall ist. In Thüringen wird gern von Naherholung geredet, aber im Winter dann (gerade in der heutigen Zeit, in dem milden Klima, wo die Böden nicht mehr gefroren sind) mit schwerem Gerät durch Wald und Wiesen gefahren und Wald und Wanderweg zerstört. So wird dann auch alles hinterlassen, ohne an die Wanderer oder sonstigen Erholungssuchenden zu denken. Der Forst als Auftraggeber bzw die Privatwaldbesitzer sollten sich dafür schämen!!!

Otti:
Daran anknüpfend: Was empfindet Ihr, wenn Ihr Bilder und Nachrichten wie die zu den Wald- und Buschbränden in Australien zu sehen bekommt?

Michel:
Ein Waldbrand bedeutet ja nicht unbedingt das Ende des Wald(lebens). Sicher wird erstmal viel zerstört, aber es ensteht fruchtbarer Boden, auf dem neues Leben und auch Wald keimt und wächst. Es ist wie in jedem Zyklus. Leben - Sterben - Wiedergeburt.

Otti:
Andere Themen, die ihr vertont, sind zum Beispiel verschiedene Mythen und Sagen. Wo liegt für Euch die Faszination in den alten Geschichten und insbesondere der nordischen Götterwelt?

Michel:
Die Germanen sind unsere Vorfahren. Wir leben auf dem Gebiet, auf dem früher die Germanenstämme lebten. Sie verehrten die nordischen Götter, unter anderem Namen als die Wikinger, aber prinzipiell doch ähnlich. Man sollte sich schon immer seiner Wurzeln bewusst sein oder auch wissen, woher man kommt, um zu wissen wohin man gehen kann. Alleine schon daher rührt das Interesse an den Germanen und ihrer Götter her. Da wir uns auch experimentalarchäologisch und im Rahmen von Reenactment engagiert haben, gehen die Erkenntnisse deutlich über das Standardgeschichtswissen hinaus. Um hier keinen Roman draus zu machen: handwerklich, gesellschaftlich, kulturell sind die Germanen bzw. die Völker, die im Sammelbegriff Germanen vereint werden, "der" Meilenstein in unserer Vorfahrengeschichte. Zwischen uns und den sogenannten. Germanen, welche unsere Vorfahren sind, liegen kaum 50 Generationen.

Otti:
Wie sehr sind denn jene Themen auch Teil eures Lebensalltags?

Michel:
Der Wald hatte schon immer eine wichtige Bedeutung für Mensch und Tier und wird es auch immer haben. Die Wälder dienen uns als wichtiger Erholungs- und Lebensraum, sind Zeugen unserer Geschichte und auch in der Mythologie sehr wichtig für uns. Auch wenn viele moderne Menschen die Wichtigkeit der Natur größtenteils vergessen haben. Die meisten unserer Band leben unmittelbar am oder im Wald. Ich laufe drei Minuten, dann bin ich im Wald. Da wir auch einen Hund haben, sind wir mindestens einmal am Tag für eine Stunde draußen im Wald. Bei den anderen ist es sicher ähnlich.

Otti:
Der Pagan Metal als solcher passt ja wunderbar zu Freizeitbeschäftigungen wie Reenactment und Larp. Habt Ihr dazu irgendwelche Bezüge oder übt davon etwas gar selbst aus?

Michel:
Ein Teil unserer Band hat sich tatsächlich eine Weile mit Reenactment beschäftigt. Tobalt während seiner Abwesenheit sogar noch länger. Das Problem dabei ist, dass beide Hobbys, also die Musik und das Reenactment sehr zeitaufwendig sind, und spätestenseit wir nun alle Familien haben, man sich für ein Hobby entscheiden musste. Du kannst schlecht bei irgendeinem Schlachtgetümmel mit machen und gleichzeitig auf einem Festival spielen.

Otti:
Und wenn Ihr mal abseits Eurer eigenen Auftritte feiern geht, wie darf man sich das vorstellen? Also was macht Für Euch ein gutes Fest aus?

Manu:
Allzu oft gehe ich gar nicht mehr feiern. Hin und wieder besuche ich mal ein Konzert. Dies muss aber nicht zwingend im alkoholischem Exzess enden. Ein gutes Fest ist für mich, wenn man eine schöne Zeit mit Freunden verbringt und in dieser Zeit den Alltag hinter sich lassen kann.

Otti:
Auch eine Band wie Eure hat einmal angefangen. Was hat Euch seinerzeit inspiriert, Euren musikalischen Weg in der Form zu gehen, wie Ihr ihn nun verfolgt?

Michel:
Ich denke, da unterscheiden wir uns kaum von anderen Bands. Wir haben in den 80ern angefangen Metal zu hören, seinerzeit Venom, Grave Digger, dann Kreator, Destruction, Sodom, Slayer. Irgendwann kam vielleicht Burzum oder Bathory hinzu. Man nahm mal eine Gitarre in die Hand und spielte die ersten Riffs. Wenn man einmal damit angefangen hat, lässt es einen nicht mehr los :-)

Otti:
Was sind die schönsten Erinnerungen, die Ihr auf diesem Weg mitnehmen konntet?

Michel:
Die schönsten Erinnerungen waren die ersten großen Konzerte, Ultima Ratio, Ragnarök usw. und als wir das erste Mal eine CD von uns selbst im Media Markt stehen sahen, das war auch sehr witzig ;-)
Man traf so viele Gleichgesinnte auf den Konzerten und trank und quatschte mit hunderten Leuten. Viele unserer heutigen Freunde stammen aus jener Zeit anfang der 2000er, als der Pagan Metal damals groß wurde.

Otti:
Und zu guter letzt: Wo seht Ihr Euch und Eure Band in XIV Jahren?

Manu:
Da wo wir jetzt auch sind. - Nur mit grauen Haaren.- Vielleicht ist bis dahin ja auch schon das nächste Album fertig... :)

Michel:
So lange es geht, wollen wir das Hobby Musik weiter verfolgen und neue Lieder veröffentlichen. Wenn man zB. so lange wie ich, also ca. 27 Jahre, dieser Leidenschaft frönt, hört man nicht einfach damit auf, man wird nur langsamer :-)))

Website:
www.xivdarkcenturies.de

Art des Interviews: Email
08.03.2020 by Otti
XIV DARK CENTURIES in unserer Band- und Künstlerdatenbank

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