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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Deied: "Kunst ist ein Kondensator!"

Tief immusikalischen Untergrund bewegen sich Künstler, für die ihr Schaffen weit mehr bedeutet, als nur die Möglichkeit Geld oder Ruhm zu erlangen. Hier steht das schöpferische Werk im Vordergrund, die Macht der Musik wird vollkommen genutzt, um Seele, Geist und Gefühl zu touchieren. Auf dieser Ebene arbeiten auch Deied, zwei junge Männer aus dem Ruhrpott mit den interessanten Pseudonymen n1n0 und Din-Tah Aeon. Was genau die beiden umtreibt, was sie uns zu ihrem neuen Album Tales Of Sodenliah erzählen können und welche Bedeutung Kunst generell hat, darüber gab uns n1n0 im folgenden Interview Auskunft.

Otti:
Hallo n1n0, nachdem ich ja euer neuestes Album Tales Of Sodenliah schon rezensiert habe, lag es nahe, euch gleich auch mal ein wenig auszuquetschen. Zunächst mal für diejenigen Nightshade-Leser, die bei Deied ein großes Fragezeichen über dem Kopf haben oder an Frauenzeitschriften denken, wer seid ihr und was zeichnet eure Musik aus?

n1n0:
Wir sind ein Duo, bestehend aus n1n0 & Din-Tah Aeon. Seit 2007 lautet unser Claim: "Deied is pain, Deied is insanity, Deied is art."
Der Name Deied entstand aus der Idee den "guten Gott" (DEI) mit dem "Verkehrten Gott" (IED) zu verbinden. Im Zentrum steht nun das "I", welches sinnbildlich für das "ICH", dem Menschen, im Mittelpunkt von Gut und Böse stehen lässt. Soviel zur Wortherkunft. Künstlerisch betrachtet machen wir einfach das was WIR wollen, wir haben keine Idole, denen wir folgen, wir wollen auch nicht "klingen wie". Manchmal trifft es der Satz: "Ein Paar Metaller die Mithilfe von Maschinen versuchen Sci-Fi Sounds zu generieren" ganz gut.

Otti:
Ihr beide arbeitet ja auch noch bei Aeon sable zusammen. Wie habt ihr euch denn überhaupt kennengelernt, und was hat euch bewogen, gemeinsam zu musizieren?

n1n0:
Das erste Mal haben wir uns auf Din's ehemaliger Arbeitsstelle getroffen. Der erste wirkliche Kontakt kam aber erst viel später durch gemeinsame Bekannte zustande, bei diesen Treffen mussten wir auch rasch feststellten, dass wir auf gleicher Wellenlänge lagen.
Zuerst hatte Din nur das Mischen meiner damaligen Projekte übernommen, da ich zwar die kompositorischen, aber nicht die produktionstechnischen Mittel hatte, um diese so umzusetzen, wie ich es gern wollte. Als sich nach einiger Zeit eine gewisse Routine in der gemeinsamen Arbeit eingestellt hatte, verteilten sich die Aufgaben in der Produktion, sodass es jetzt, abgesehen von unseren Haupteinsatzgebieten, Din an den Bässen und Gitarren und ich an den Vocals, kaum noch geregelte Aufgabenbereiche gibt.


"Tales Of Sodenliah ist eine Reise durch die Psyche des Menschen."

Otti:
Tales Of Sodenliah erscheint dieser Tage via Ionium Records und afmusic, zwei Labels, hinter denen ein komischer Kauz namens "Falk" steckt, und bei denen ihr schon häufiger Veröffentlichungen gehabt habt. Womit konnte der gute Mann den euer Vertrauen gewinnen?

n1n0:
Mister Falk wurde auf uns irgendwann mal über die Free Music Charts aufmerksam, wir hatten damals ein Nebenprojekt in den Charts und somit kamen wir mit dem damaligen Projekt bei afmusic unter. Deied und Aeon Sable kamen erst viel später dazu. Überzeugen musste er uns nicht wirklich - wir wollten Leute mit unserer Musik erreichen und er wollte eben diesen Part übernehmen. So können wir uns mehr auf die wichtigen Dinge konzentrieren, unsere Musik.

Otti:
Laut Presseinfo ist Tales Of Sodenliah ein Konzeptalbum, welches Wissenschaft und Fiktion miteinander verschmelzen lässt. Wie genau sieht denn die Idee und Vision hinter der Musik aus? Gab es in der Entstehungszeit entscheidende, inspirierende Momente, die sich nachhaltig auf die Songs ausgewirkt haben?

n1n0:
Die entscheidenden und inspirierenden Momente beginnen lange vor der Entstehung des Albums - sozusagen in meiner phantasievoll ausgelebten und naturverbundenen Kindheit. Tales Of Sodenliah ist eine Reise durch die Psyche des Menschen.
Wie aus der Intro des Albums hervorgeht, haben die Menschen es in unserer Geschichte irgendwie geschafft, einen Weg zu finden, wie sie in das Innerste des Menschen vordringen können - der Seele. Und wenn wir jetzt davon ausgehen dass unsere Seele, genau wie unsere Gene, jegliche Informationen über die Vergangenheit (Evolution) gespeichert hat, so könnte man nun auch davon ausgehen, dass man über die Seele bis zu dem Moment der Entstehung der Menschheitsgeschichte vordringen könnte.
In unserer Geschichte gehen wir davon aus, dass es bereits lange vor der Ära des Menschen, einen "Götterplanet" gegeben hat, welcher irgendwann explodiert ist und dessen Überreste, den bis Dato unfruchtbaren Planet Erde erst zum Leben erweckt haben. In unserem Fall passiert genau das. Unser Hauptprotagonist "532" wird in das Innere seines Seins katapultiert und trifft dort, in den Tälern von Sodenliah, auf das Urwesen allen Seins.
Alles Weitere würde hier den Rahmen sprengen. Holt euch das Album einfach und hört selber rein.

Otti:
Bei elektronischer Musik wird immer sehr schnell über die "Tanzbarkeit" geurteilt, die sicherlich auch bei einigen Tracks eures neuen Albums gegeben ist, wobei ihr allerdings dankenswerterweise auf monotone Beats verzichtet. Welche Rolle spielen denn Themen wie Vermarktung und Clubtauglichkeit in eurem Songwriting?

n1n0:
Da wir selten in der Ruhrgebiet-Clubszene unterwegs sind, sind wir eigentlich gar nicht informiert, was dort momentan hip ist. Um ehrlich zu sein, interessiert uns die Themen "Tanzbarkeit" und die damit verbundene Vermarktungsmöglichkeiten überhaupt nicht. Wir bauen keine Beats, damit Leute sie mögen, wir bauen sie, weil sie den Ausdruck unserer vertrackten Kunst vervollständigen.

Otti:
Ihr habt ja einen unheimlichen Output, wenn man so eure Diskographie betrachtet. Wie schafft ihr es, dabei noch solch eine immense Qualität zu halten, wie sie Tales Of Sodenliah bietet?

n1n0:
Wir machen einfach das, was wir gern tun. Außerdem fällt bei uns das Proben und Auftreten wie bei "voll besetzen" Bands weg. Jede "Probe" ist Studioarbeit, an der an neuem Material gefeilt wird.

Otti:
Wie sieht denn die Aufgabenteilung speziell bei Deied aus, wer von euch beiden kümmert sich um was genau?

n1n0:
Meist fertige ich das Grundgerüst des Songs an, welches dann zusammen mit Din zu dem fertigen Produkt ausgearbeitet wird. Man liest häufig, dass bei vielen Bands Reibungen und kleine Streitigkeiten untereinander erst die nötige kreative Energie hervorbringen. Bei uns ist das allerdings nicht so... Wir verstehen intuitiv, wohin der jeweils andere den Song oder das Album führen will und es kommt sehr selten vor, dass wir uns da uneinig sind. Straight shooting sozusagen.

Otti:
Aktuell sind meines Wissens nach keine Deied-Konzerte geplant. Habt ihr denn Ambitionen, eure Musik in nächster Zeit auf die Bühne zu bringen? Und welche Voraussetzungen müssten dafür erfüllt sein?

n1n0:
Wir planen etwas in die Richtung, allerdings ist das alles noch ziemlich unsicher. Das Ganze ist sehr aufwendig und zeitraubend, über die Konzeption, das Finden von Gastmusikern, das umarrangieren, das Proben etc. Derzeit stehen noch ein/zwei andere Sachen an. Wenn die "abgearbeitet" sind, werden wir uns mit dem Thema befassen.

Otti:
Ihr kommt aus dem Ruhrgebiet, genauer gesagt aus Essen. Wie würdet ihr denn die aktuelle Szene, Konzert- und Clubkultur im Pott beschreiben und beurteilen?

n1n0:
Wir sind mit dem Angebot eigentlich sehr zufrieden, haben größere Städte gesehen, in denen weit weniger Angebot war. Wobei wir eher auf Konzerte als in Clubs gehen. Für Metal gibt's das Turock und das Helvete, für Gothic die GIP und das (inzwischen leider abgebrannte) Zwischenfall, für Ambient/Experimental muss man etwas weiter zum Kulturbunker-Mülheim fahren, was aber auch keine Entfernung ist. Für die Clubszene würden wir uns etwas mehr Experimentierfreudigkeit jenseits bekannter Electrogrössen wünschen, das sind aber Kleinigkeiten. Ich denke hier hat keiner Grund am Wochenende zuhause zu bleiben.

Otti:
Wenn ihr in maximal fünf Sätzen auf den Punkt bringen müsstet, was für euch Kunst bedeutet ... Wäre das möglich? Und wenn ja, wie würdet ihr diese beschreiben?

n1n0:
Jetzt muss ich aufpassen nicht ins pathetische abzugleiten. So wie ein Kondensator eine Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung erzeugt, so erzeugt die Musik eine zwischen Realität und Phantasie. Speicherung und Durchschlag. Und so wie man mit einem Kondensator Frequenzanteile eines Signals kapazitiv herausfiltern kann, so kann die Kunst bestimmte Aspekte der (un)geliebten Realität filtern. Wie eine innere Störentkopplung. Also: Kunst ist ein Kondensator!

Otti:
Euro-Krise, Fukushima-Katastrophe, Hungersnot in Somalia ... Die Welt ist wie immer voll von traumatisierenden Ereignissen. Was macht euch davon am meisten Angst? Und inwieweit haben solche Dinge Einfluss auf euch, sowohl privat als auch in künstlerischer Hinsicht?

n1n0:
Jeden Augenblick sterben unzählige Menschen an Hunger und Krankheit, erlischen Tausende von Sonnen im Universum und vergehen Millionen Blutkörperchen und Zellen im Körper. Allein der Gedanke könnte einen verrückt machen. Unsere universelle Aussage darüber haben wir meines Erachtens mit unserem neuen Album gemacht.

Otti:
Was steht denn generell so in nächster Zeit bei euch an, sowohl was Deied angeht, als auch auf die anderen Projekte bezogen?

n1n0:
Da das Deied Album nun fertig ist, was die letzte Zeit natürlich Priorität hatte, wird nun vermehrt an neuem Material für Aeon Sable gearbeitet. Für die Zeit danach steht auch schon neues Melanculia Material in den Startlöchern. Ein Musikvideo ist auch im Gespräch ... Wir schieben also keine ruhige Kugel ...

Otti:
Und was ist der größte Traum, den ihr euch mit Deied noch erfüllen möchtet?

n1n0:
Wir haben bisher alles umgesetzt bekommen, was wir uns vorgenommen haben. Das reicht uns vollkommen aus.

www.deied.de

Art des Interviews: Email
28.09.2011 by Otti

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