Willkommen bei Nightshade
Wähle: Onlineshop | Magazin
Name: Passwort: | Passwort vergessen? | Registrieren

Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Mozart (Dracul/Umbra Et Imago)

Ich habe lange überlegt ob ich das Interview vielleicht einfach unter Dracul, oder Umbra et Imago, aufliste. Oder eben unter "Mozart". Ich meine... wer kann schon reinen Gewissens sagen, daß er Mozart Interviewen konnte?
Nein mal im Ernst, die Überschrift ist wohl ziemlich egal, der Inhalt eines Interviews ist doch das Wichtige, und der stammt diesmal von einem der Urväter des Gothic, wie wir ihn heute erleben dürfen.

Otti:
Hallo Mozart, bald erscheint ja sowohl die neue Umbra et Imago-DVD als auch ein neues Album deines zweiten Projektes Dracul. Aus diesem Grunde würde ich dich auch gerne zu beiden Bandprojekten interviewen, ich hoffe das ist okay für dich.
Zunächst mal zu Dracul. Umbra höre ich ja schon seit Jahren sehr gerne, Dracul ist mir erst seit kurzem wirklich ein Begriff und das obwohl mit Like an Animal bereits das vierte Album ist laut meinen Infos. Was hat dich dazu gebracht zusammen mit Lutz Demmler ein zweites Bandprojekt aufzustellen statt das ganze einfach unter Umbra laufen zu lassen?
Mozart:
Na, die Mucke ist ja elektrisch, das Konzept ganz anders und die Release nach Gutdünken. Das sind alles Gründe um das schön brav separat zu machen.
Dazu kommt eine Cluborientierung, verschiedene Gastmusiker………..na ja wir wollten das halt schön trennen!


"Ich weiß bis heute nicht, wer eigentlich die Freiwillige Selbstkontrolle kontrolliert. Auf alle Fälle haben die uns immer am Haken."

Otti:
Musikalisch erinnert mich die Musik von Dracul an Acts wie Wumpscut, und auch die Arbeit mit Filmsamples taucht immer wieder auf. Habt ihr euch an Rudys Musik orientiert? Woher erhaltet ihr insgesamt euere Inspirationen?
Mozart:
Nein, bei allem Wohlwollen und allem Respekt Rudy gegenüber, wir hatten nie Wumpscut im Sinn!
Vielleicht liegt das auch daran, dass Du die älteren Scheiben nicht kennst. Wir haben nahtlos an das Vorgänger-Album „Follow Me“ angeschlossen!
Wir arbeiten seit dem ersten Album mit Samples, aber immer themenbezogen, auch bei Like an Animal passen die Samples zu den Themen der Songs, ergänzen den Text oder füllen den Song ganz aus!
Ich denke „Mörder“ erinnert Dich an manche Kollegen, aber das ist deshalb so, weil das in etwa das „Sounddesign“ der gängigen Clubhits ist, da wollten wir auch mal zeigen, daß „dies Jeder kann“!

Otti:
Insgesamt scheint Dracul ja weitaus mehr auf Club-Tauglichkeit und Tanzbarkeit ausgerichtet zu sein als Umbra et Imago. War das dein Hauptanliegen, Musik für die Clubs zu machen?
Mozart:
Na klar, wir haben ja das Glück, mit der Kulturruine in Karlsruhe, einen eigenen Club (der Träger ist ein Verein) in den Fittichen zu haben, da bietet sich das natürlich an!

Otti:
Umbra durfte ich ja schon ein paar Mal auf der Bühne betrachten, Dracul leider noch nicht. Die Bühnenshow bei Umbra et Imago ist ja doch meist sehr erotisch und sm-lastig, was erwartet denn den Besucher eines Dracul-Konzerts?
Mozart:
Keine Erotik, wenn man unsere Luxuskörper mal weg lässt!
Aber auch da sind wir eigensinnig, wir legen wert auf ein Äußeres das nicht unbedingt dem „Electro“ Klischee entspricht. Dazu haben wir viel Feuer auf der Bühne, also auch kein übliches Lichtmassaker, wir jonglieren mit brennenden Dingern, kloppen auf alten Ölfässern rum, versuchen gut auszusehen und haben meist Spass!

Otti:
Ich habe auch gesehen daß das Dracul-Debut "Die Hand Gottes" bereits 1995 erschienen ist, das nächste Album "Speichel und Blut" ließ dann aber 6 Jahre auf sich warten. Wieso diese Pause?
Mozart:
Die ersten DRACUL Scheibe entstand aus Verzweiflung. Wir hatten einen längeren Rechtsstreit mit unserem ersten Label das uns nicht gerade freundlich behandelt hat.
Wir wollten nach dem Ausstieg eine neue Scheibe zimmern und man hat uns mit einer „einstweiligen Verfügung“ gedroht. Dann haben wir uns entschlossen eben unter anderem Namen zu veröffentlichen!
DRACUL war geboren. Wir hatten die Scheibe dann „Die Hand Gottes“ genannt, aber wir haben auch musikalisch eigenständige Wege eingeschlagen, mit Schamanengesängen und rumänischen Volksgut-Samples, also schon diese Scheibe war nicht mit dem regulären Stoff von UMBRA ET IMAGO vergleichbar. Dann war mit dem Fortgang von UMBRA erst mal Funkstille, bis wir dann mit einem schlüssigen Konzept, DRACUL als unser Electro/Club Projekt betrachteten.

Otti:
Im April erscheint eine DVD mit einem Mitschnitt von der "Memento Mori" Tour von Umbra et Imago. Auf der Website werden zudem viele interessante Specials zudem aufgezählt die den Käufer erwarten, und es ist erwähnt daß es die "Imago Picta" auch in einer Ab 18-Version geben wird. Wo genau liegen die Unterschiede zwischen der Ab 18 und der frei erhältlichen Variante?

Mozart:
Die 18er Version hat genau denselben Innhalt, nur die Kamerapositionen sind unterschiedlich. Das haben wir gleich von Anfang an geplant nach erschütternden Erlebnissen mit der FSK. Ich weiß bis heute nicht, wer eigentlich die Freiwillige Selbstkontrolle kontrolliert. Auf alle Fälle haben die uns immer am Haken.

Otti:
Erotik, Sex und SM sind vorherrschende Themen in der Kunst von Umbra et Imago. Sicher wart ihr da Vorreiter und prägend für einige andere Musiker, und eine gewisse Provokation obliegt dem ganzen natürlich auch. Was hat dich damals dazu bewegt dies in den Vordergrund zu rücken und mit Gothic-Musik zu verbinden, und welche Bedeutung hat das Ganze in deinem Leben?
Mozart:
Das Konzept ist sehr einfach entstanden.
Freud meint: „Die Sexualität ist der Dreh- und Angelpunkt des menschlichen Dasein“! Es gibt ein Leben vor dem Tod, das war unser Ansatz damals, es gab noch keine Bands die sich mit diesem Thema beschäftigten, DIE FORM ausgenommen, die aber eine ganz andere Richtung beschreitet!
Wir hatten es sehr schwer, am Anfang, darauf geht auch die neue DVD in der HISTORY ein.
Aber Eigensinn lohnt sich oft, denn wir durften wirklich ein Genre begründen und haben die SM/Fetish und Gothic Szene vereint. SM haben wir deshalb gewählt, weil es unserer Meinung nach, die meiste Kreativität bei der Sexualität beinhaltet!

Otti:
In euerer Biographie ist sogar zu lesen: "Die S/M Thematik wurde bewusst gewählt, weil es nach Meinung der Band die intellektuellste Ausdrucksform der Sexualität wiedergibt." Das mußt Du mir dann doch mal genauer erklären.
Mozart:
Das kann man sich ja denken oder?
Der Begattungsakt in der deutschen Bevölkerung dauert ungefähr 5-8 Minuten - habe ich in einem medizinischen Fachblatt gelesen. Eine SM Session kann sich bis zu einer Woche hinziehen. Nehmen wir mal die 24 Stunden SMler aus, die ich sowieso ein bisschen strange finde!
Also, da muß dann schon ein wenig Grips her, wenn ich eine Woche Sex haben möchte. Das nennen wir dann Kreativität. Wer mehr wissen will, soll sich Fachliteratur kaufen und Vaseline……vielleicht!

Otti:
Im Laufe der Jahre hat sich Umbra et Imago aber auch sehr entwickelt, sowohl was die Musik als auch was die Texte angeht. Neben der natürlich immernoch stark dominierenden Erotik rücken nun auch sozialkritische und rein emotionale Themen in den Vordergrund, und die Musik ist im Vergleich zu den Anfangszeiten wesentlich weniger auf Elektronik aufgebaut und viel mehr Gitarren-basiert. Wie siehst Du diese Entwicklung?
Mozart:
Ja, das sehe ich auch so!
Das Leben ist ein Fluss, auch wir schwimmen weiter und die Musik verändert sich natürlich. Wir haben immer versucht trotz allem den roten Faden nicht zu verlieren. Ich bin Stier vom Sternzeichen, ich will eine gewisse Kontinuität, aber keine Langeweile, das ist so unser Motto. Wenn uns natürlich ein Fortschritt im positiven Sinne bescheinigt wird, freut uns das. Aber ich bin einer von den Musikern die mit Genuss die alten Sachen hören können, mit Sicht der Schwächen, aber auch mit den unwahrscheinlichen Emotionen, die nur frische junge unerfahrene Musiker haben können. Später kommt dann die Professionalität, die auch gewisse Mechanismen mit sich bringt.

Otti:
Ein weiterer wichtiger Teil deiner Arbeit für die Szene ist wohl auch dein weit bekannter Club "Kulturruine" in Karlsruhe wo Du ja auch häufiger mal selbst auflegst. Was hat dich dazu gebracht eine eigene Disco zu eröffnen?
Mozart:
Wir wollten der Szene ein Zuhause geben, das war schwer (was die Überzeugungen der Stadt und Kirche usw. betraf) aber es hat sich gelohnt!
Karlsruhe ist GOTH CITY, das sage nicht ich, das sagen mittlerweile die vielen Gäste, die aus der ganzen Welt zu uns pilgern. Wir begrüßen Leute aus Amerika, Russland, Europa; Australien, das ist wirklich unglaublich.
Gothic ist eine Kulturbewegung, wir wissen es schon lange, die Welt begreift das erst nach und nach!

Otti:
In so vielen Jahren Touren, Szenearbeit und auch als Betreiber eines eigenen Clubs lernt man doch sicher viele interessante Persönlichkeiten kennen. Gibt es da für dich besondere Erinnerungen, besondere Menschen und Erlebnisse an die Du dich gerne erinnerst?
Mozart:
Es gibt so viele Erlebnisse, das ich diese hier nicht aufzählen kann!
Besonders bewegend sind Gigs im Ausland, so z.B. in MEXICO wo Menschen ein halbes Jahr sparen, um sich ein Konzert von uns anzusehen.
Diese Begeisterung der Menschen, die bleibt natürlich haften, auch die Anfänge einer Karriere bleiben in Erinnerung.

Otti:
Daß Du allgemein der Gothic-Szene eng verbunden bist merkt man in allem was Du machst, Du lebst Gothic, feierst das Schwarze in deinen Songs, bist auch sicher einer der Menschen sehr viel Einfluss auf die Entwicklung dieser Subkultur in Deutschland. Wenn Du die Szene heute betrachtest, was hat sich in deinen Augen verändert in den vielen Jahren, und wie siehst Du die modernen Gothics?
Mozart:
Die Szene hat sich immer irgendwie gewandelt, aber sie ist immer homogen geblieben. Der Kommerz kann uns nicht schlucken, wie z.B. den Punk, dazu sind wir zu vielschichtig und zu spröde!
Gott sei es gedankt!
Auch bei uns gibt es Arschlöcher, Konsumenten, aber die sind schnell wieder weg!
Schon der tägliche Kampf um unsere Kultur lässt die Schlaffis schnell wieder in anderen Massenbewegungen verschwinden. Nur die Harten bleiben im Garten!!!!

Otti:
Allgemein ist es auch so daß ja jeder seine eigene Definition von "Gothic" hat. Was macht die schwarze Szene für dich aus?
Mozart:
Das Lebensgefühl!

Otti:
Ich stelle diese Frage zur Zeit zwar fast jedem Interview-Partner, aber ich denke es ist einfach interessant das aus der Sicht der Künstler zu sehen. Wenn man in den letzten Jahren die Charts betrachtet tauchen immer mehr nationale und internationale Szenebands darin auf, teilweise mit Erstplatzierungen. Wie nimmst Du das ganze wahr und was denkst Du darüber?

Mozart:
Na ja, es ist nur gerecht, dass nach allem Boykott der Massenmedien und des TVs Bands diese Position erreichen. Bei Bands wie Rammstein z.B. stecken Millionen Etats dahinter, d.h. es ist nicht alles nur das „Können“ der Bands!
Wir haben schon viele Bands links an uns vorbeiziehen sehen, manchmal tut das weh, aber wir haben auch so manchen Crash erlebt!
Wir sind ganz froh, dass es so ist, für uns gilt, wir nehmen auch einen Grammy an, aber nur wenn wir so in die Charts gehen, gerade und ohne uns musikalisch verbiegen zu lassen. Wir brauchen das echt nicht, wir sind KULT, weil wir nicht der Masse gefallen, das zeichnet uns aus, das macht uns nicht so schnell sterblich. Das reicht uns!!!!


"Gothic ist eine Kulturbewegung, wir wissen es schon lange, die Welt begreift das erst nach und nach!"

Otti:
Im Januar diesen Jahres war der 250. Geburtstag des guten alten Wolfgang Amadeus Mozart, hast Du das irgendwie gefeiert oder interessiert dich der Ur-Mozart eigentlich gar nicht? Hörst Du viel klassische Musik?
Mozart:
Ich höre überwiegend Klassik, natürlich auch Mozart. Das Requiem ist mein Lieblingsstück, ich bin sehr froh, dass auch er SEINE Musik gemacht hat und sich treu blieb.
Er ist doch das Paradebeispiel, dass die gängige Mucke vergeht, aber die von den Zeitgenossen nicht so sehr geschätzte Musik auf einmal unsterblich wird!!!!
In diesem Sinne noch 250 Jahre drauf, wir sind doch alle Vampire, dachte ich…………..!

Otti:
Um es mit den Worten einer sehr schlechten Fernsehwerbung zu fragen: Wenn Du dein Leben noch einmal leben könntest, würdest Du alles nochmal genauso machen?
Mozart:
Auf jeden Fall, ich stehe zu meinen Handlungen und mein Leben war bisher recht lustig und ziemlich abwechslungsreich!
Nur ohne Frauen hätte ich keine Lust zu leben, die sollten schon immer in der Packung sein!!!!!

Otti:
Was möchtest Du unseren Lesern zum Schluß sonst noch alles mit auf den Weg geben?
Mozart:
Bleibt weiterhin schwarz und habt Dank für das nette Interview!!!!

Dem ist natürlich nichts mehr hinzuzufügen. Ich habe zu danken, und freue mich bereits auf das nächste Umbra- oder Dracul-Konzert. :)

Art des Interviews: Email
31.03.2006 by Otti

Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Kommentare:

Registrierte User können hier Kommentare zu diesem Beitrag abgeben, um anderen Ihre Meinung mitzuteilen.

Zurück zur vorherigen Seite

ImpressumAllgemeine GeschäftsbedingungenNutzungsbedingungenDatenschutzerklärungAbout us

Postanschrift + Kontakt:
Nightshade - Inhaber Frank van Düren
Landfermannstraße 9, 47051 Duisburg, Deutschland
Mail: info@nightshade-shop.de
Tel: 0203/39346380 | Mobil: 0170/3475907

Alle Rechte bei Firma Nightshade und Frank van Düren, ausgenommen eingetragene Markenzeichen der jeweiligen Hersteller und externe Webprojekte.
Konzept und Design 2001-2019 by Nightshade/Frank van Düren.