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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Advocatus Diaboli

Advocatus Diaboli, eine Band, die ich mit Nightshade verbinde wie kaum eine andere. Der offene und tiefe Kontakt zu Sänger Tom, entstanden durch eine einfache Email, haben mir in der Anfangszeit gezeigt, daß Musiker vor allem auch eines sind: Menschen wie Du und ich, mit Gefühlen, Hobbys und Träumen. Nun haben die Fünf mit Sternenmarsch ihr drittes Studioalbum auf die Welt losgelassen, ein Album welches nicht nur bei mir Verzücken und Genuß hervorgerufen hat.
Grund genug, endlich mal das lang geplante Interview auch in die Tat umzusetzen, und Tom ein paar Fragen zum Album, zur Musik und zum Leben an sich zu stellen.

Otti:
Hallo Tom, endlich kommen wir nun auch zu dem schon seit einem Jahr angestrebten Interview. ;)
Wie war denn das Jahr 2006 für die Band, und für dich persönlich? Welche Höhen und Tiefen gab es?

Tom:
Ich denke 2006 war für uns ein gutes und wichtiges Jahr. Schließlich ist man schon ein wenig angespannt, wenn man nach einem Album, wie unser Vorgänger „Sterbend durch die Sonne", dass ein äußerst positives Feedback bekommen hat, nun einen zumindest ebenbürtigen Nachfolger präsentieren will. Ich freue mich darüber, dass die ersten eingetroffenen Rezis, das Feedback der DJs und unserer Hörerschaft voll des Lobes sind. Auch Deiner Kritik nach zu urteilen, haben wir unser Ziel mit Sternenmarsch erreicht. Wir sind sehr zufrieden mit dem Album. Für mich persönlich verlief das Jahr ziemlich rund.
Ich denke es ist auch immer eine grundsätzliche Frage wie man „Höhen" und „Tiefen" definiert. Ich bin ein sehr positiv eingestellter Mensch und von daher sehe ich eher die Herausforderung Dinge zu ändern, wenn etwas nicht rund läuft, als mich tagelang über das vorhandene Problem zu beklagen.


"Der Advocatus Diaboli ist ein Gegensprecher im eigenen Lager."

Otti:
Mit Sternenmarsch liegt nun das dritte Advocatus Diaboli-Album vor. Wie lief denn die Arbeit am Album, und wie ist die bisherige Resonanz darauf?

Tom:
Wir sind wirklich sehr zufrieden mit dem Werk und sowohl in den Clubs wie auch auf unseren Konzerten kommen die neuen Sachen sehr gut an. Die Arbeit verlief ziemlich reibungslos. Gerade auch die gemeinsamen Aufnahmen mit Torch (damals Saltatio Mortis) für den Track „Künstler" haben viel Spaß gemacht. Das Werk wurde diesmal bei TS-Musix abgemischt. Wir machten dies in mehreren Steps, was hieß, dass ich immer und immer wieder einige schöne Kilometer auf der Autobahn verbringen durfte. Grundsätzlich teste ich Songs gerne beim Autofahren und wie eben erwähnt bot sich hierfür beim neuen Werk auch ausreichend Gelegenheit von Aschaffenburg nach Zweibrücken.

Otti:
Ich gehe immer ungern auf einzelne Songs ein, weil man dann gleich ein Interview führen könnte, bei dem man jeden einzelnen Track durchleuchtet. Außerdem liegt es ja eh meist am Hörer, was er in die Musik hineininterpretiert. Dennoch hat "Nah bei dir" in mir Gefühle hervorgerufen wie Sehnsucht, aber auch Geborgenheit, und auch eine gewisse erotische Assoziation. Wenn Du einen solchen Song schreibst, dann bewußt auf eine bestimmte Person bezogen? Oder sind das Ur-gefühle, die Du da projezierst?

Tom:
„Nah bei Dir" ist wie fast alle unsere Lieder auf keine spezielle Person bezogen.
Es ist vielmehr ein stückweit die Sternenmarsch-Thematik. Eben dieses schneller, höher, weiter Streben, welches immer dominanter unser aller Alltag bestimmt. Wir jagen immer weiter ohne überhaupt zu merken was sich um uns herum verändert hat bzw., dass wir innerlich schon längst gestorben sind. Und gerade diese „Fastfood-Mentalität" spiegelt sich auch im zwischenmenschlichen Bereich wider. Das Wesentliche bleibt auf der Strecke.

Otti:
Euer erstes Album "Enter your Forest" erschien 2001, erst 5 Jahre nach Gründung der Band. Zwischen den Alben lagen dann auch 2 bzw 3 Jahre. Bist Du etwa kein Freund von Massenproduktion und Akkord-Veröffentlichungen wie manche andere Musiker?

Tom:
Nunja, da ist die Antwort eigentlich ganz einfach. Ich kann es nicht schneller. An sich sind wir genau bei diesem „Sternenmarsch-Thema" gelandet, die ich vorhin schon angesprochen habe. Mein Schaffen sehe ich als Kunst. Jede Terminvorgabe würde mich da nur einschränken. Von daher sind wir froh Sonorium als Label zu haben, welches uns die nötige Zeit gibt.

Otti:
Sowohl die Musik als auch die Texte von Advocatus Diaboli stammen fast ausschließlich aus deiner Hand. Wieviel Einfluß haben denn die anderen Bandmitglieder auf die endgültige Ausarbeitung der Songs?

Tom:
Das neue Album habe ich erstmalig ganz alleine geschrieben. Von daher ist das Fundament weitgehend davon unbeeinflusst. Zur Ausarbeitung zwei Beispiele:
Das Stück "Sie" hatte ursprünglich einen anderen Refrain. Linda und ich haben diesen Teil im Studio gekippt und komplett ersetzt. Oftmals gibt es Stellen, bei denen später Sachen dazukommen, die vorher nicht geplant waren (wie z. B. die Flüsterpassage bei „Sternenmarsch").

Otti:
Auch wenn ich das Interview mit dir führe, geht es ja um die Band Advocatus Diaboli im allgemeinen. Daher bitte ich dich, die anderen Bandmitglieder ganz kurz vorzustellen, zu charakterisieren und ihre Rolle in deinem Leben abseits der Musik zu beschreiben.

Tom:
Gerne, Daniel ist bei uns für die Gitarrenarbeit zuständig, Christoph spielt Bass, Gary die Keys und Linda singt gemeinsam mit mir. So, jetzt habe ich noch nicht charakterisiert. Ich denke Aufschluss über uns gibt unser Menüpunkt „Profil" auf unserer Homepage. Wir haben uns da alle mal die Mühe gemacht und über 100 blöde Fragen beantwortet.
Ansonsten muss ich sagen, dass die Arbeit in der jetzigen Besetzung richtig Spaß macht und wir uns nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich gut ergänzen.

Otti:
Bei unserer bisherigen Email-Kommunikation haben wir ja beide unsere gemeinsame Vorliebe für "König Fußball" entdeckt. Für welchen verein schlägt denn nun dein Herz, welche Bedeutung hat dieser Sport für dich, und wann wird es eine Fußball-Hymne von Advocatus Diaboli geben?

Tom:
Hm, ich bin nicht der aktive Sportler, es sei denn man schließt Denksport wie Schach mit ein. Mit Gary unserem Keyboarder spiele ich immer gerne mal eine Partie. Beim Fußball schlägt mein Herz für den FC Bayern München. Die Niederlage gegen Aachen war jetzt ziemlich ärgerlich. In Aachen hatten wir vor Kurzem einen Gig und anscheinend hat es dem dort heimischen Verein so viel Auftrieb gegeben die Bayern aus dem Pokal zu schmeißen ;-)
Eine Fußball-Hymne von AD wird es dennoch nicht geben. Es würde einfach nicht passen.

Otti:
Was mir bei dir gleich auffiel ist sowieso, daß Du wie ich sowohl den banalen, als auch den tiefgründigen Themen des Lebens beachtung schenkst. Wie wichtig ist dir diese Ausgewogenheit? Was macht für dich die Tiefe des Lebens aus?

Tom:
Diese Ausgewogenheit ist mir sehr wichtig. Bei der Tiefe des Lebens sind wir wieder bei unserem Album gelandet. Vieles findet eben nur an der Oberfläche statt. Wir hetzten und jagen dahin und besinnen uns nicht auf uns selbst, auf den Ursprung unseres Seins, für den Gläubigen wären wir hier bei Gott angelangt. Gerade beschwerliche Erfahrungen und Umwege machen dies für mich aus. Diese zu bejahen macht reicher und reifer.

Otti:
Die Bipolarität drückt sich, wie ich finde, auch auf Sternenmarsch aus, um nochmal zum Album zurück zu kommen. Interessant ist in dem Zusammenhang der Titeltrack, der etwas von Aufbruchstimmung und "die Kraft bewahren" hat, und konträr dazu "Seelensplitter", was wiederum eher vom innerlichen Zerfall und der Aufgabe einer Liebe erzählt. Ist das dein Rezept, mit Verlusten umzugehen? Nach vorne zu schauen und einfach weiter zu kämpfen?

Tom:
In diesem Punkt hast Du mich durchschaut. Ich mag es nicht, liegen zubleiben, wenn man auf den Boden gefallen ist. Mein Blick ist nach vorne gerichtet und ich gebe nicht auf. Der Kampf geht weiter. Menschen die mich näher kennen oder die einfach nur eine Runde „Risk 2210 AD" mit mir gespielt haben, merken dies sehr schnell.

Otti:
Wenn ich mir Advocatus Diaboli so anhöre, dann kommen mir teilweise Assoziationen zu anderen Bands, aber keine direkt vergleichbaren in den Sinn. Was hörst Du selbst für Musik? Läßt Du dich von anderen inspirieren oder gar beeinflussen?

Tom:
Geprägt haben mich in meiner Kindheit Peter Schilling und Motörhead. Peter Schilling fand ich vor allem früher richtig Klasse. Gerade die alten Nummern wie z. B. „Die Wüste lebt" höre ich heute noch recht gerne. Motörhead dröhnte in meiner Jungend rund um die Uhr aus dem Zimmer meines Bruders und ich fand sehr schnell gefallen daran. Gerade im Auto laufen bei mir fast ausschließlich Lemmy und Co. Bewusst beeinflussen lasse ich mich davon nicht und bisher wurden wir auch noch in keiner Rezi mit einer der genannten Bands in Verbindung gebracht. In meiner Stereo-Anlage läuft übrigens gerade die aktuelle CD von „Wir sind Helden". Es geht also gerade richtig gruftig bei mir zu. ;-)

Otti:
Welche Eigenschaften muss ein Musiker deiner Meinung nach mitbringen, um sich im heutigen Musikbusiness zu behaupten?

Tom:
Ich denke es ist wichtig authentisch zu bleiben. Eine gewisse Beharrlichkeit und ein dickes Fell sind zudem förderlich. Ebenso sollte man von sich selbst und von seiner Arbeit überzeugt sein und nicht alles unterschreiben was man unter die Nase gehalten kriegt. Ich bin jemand der immer offen für neue Einflüsse ist. Ein weiterer Punkt den ich für sehr wichtig halte.


"Mein Schaffen sehe ich als Kunst. Jede Terminvorgabe würde mich da nur einschränken."

Otti:
In einer deiner letzten Mails hast Du das Thema "Killerspiele" angedeutet. Ich vermute, dich regt die immer gleich eindimensionale Berichterstattung bei solchen Geschehnissen wie in Erfurt, Emstetten oder Littleton genauso auf wie mich und viele andere. Was sind deine Gedanken zu diesen Themen?

Tom:
Ach, da ist soviel Müll geschrieben worden. Die Frage ist doch, ob wir einen Staat wollen der sich immer mehr in das Privatleben des Einzelnen einmischt. Ich will das nicht. Mich stören Videokameras auf Dächern die mich filmen, wenn ich mir eine Bahnkarte kaufe. Ich mag das einfach nicht. Ich fühle mich in meiner Freiheit eingeschränkt. Aber zurück zu den Killerspielen. Sobald ein Jugendlicher austickt und vorher z. B. irgendeine Metalband gehört hat wird das in Zusammenhang gebracht. Hat er die letzte CD der Schürzenjäger in seinem Regal kommt da kein Mensch auf die Idee. Nein, im Ernst. Schnell wird unter anderem von unseren Politikern ein Sündenbock gesucht und es ist leichter Killerspiele dafür verantwortlich zu machen, anstatt die tatsächliche Ursache anzugehen. Der Junge sprach auch von Problemen in der Schule. Von daher wäre es jetzt genauso dumm, die Schließung aller Schulen zu fordern. Das Problem liegt tiefer. Es liegt an uns allen etwas zur Verbesserung unserer Gesellschaft beizutragen.

Otti:
Allgemein sind die Medien und die Abgründe der menschlichen Natur eine Fundgrube für interessante Gesprächsthemen. 2006 war auch geprägt von Fällen wie "Natascha Kampusch" oder der Fall der kleinen Stefanie, die von Mario Mederake wochenlang gefangen gehalten und missbraucht wurde. Sind das in deinen Augen Einzelfälle, oder vielleicht gar Anzeichen eines Verfalls der Gesellschaft?

Tom:
Unabhängig von dem was den Opfern durch den jeweiligen Tätern schon widerfahren ist, ist die Ausschlachtung, welche in beiden Fällen, massiv durch die Medien veranstaltet wurde, für mich völlig inakzeptabel. Hier muss man auch am Konsumenten ansetzen, der eine derartige Berichterstattung mitfinanziert und weiter vorantreibt. Das finde ich zum kotzen. Erschreckenderweise leben wir in einer Zeit, in der vermutlich Leute auf der Tanzfläche fröhlich zu Wortfetzen von Bastian B., die mit Beats gemischt wurden, rumhüpfen würden. Von daher haben wir es durchaus mit einem Verfall der Gesellschaft zu tun.

Otti:
Euer Bandname bedeutet übersetzt "Anwalt des Teufels". Da liegt der Gedanke nahe, daß ihr euch auch irgendwie als Verteidiger des "Bösen" seht. Wo wir aber schon das Thema Bipolarität im Leben hatten, ist es vielleicht tatsächlich so, daß eben jene dunklen Seiten auchteil der Menschlichkeit sind, und ihre Existenzberechtigung haben?

Tom:
Wir sehen uns nicht als Verteidiger des Bösen im wörtlichen Sinne. Der Advocatus Diaboli ist ein Gegensprecher im eigenen Lager. Er ist ein Kritiker, der gegen seine eigene Überzeugung argumentiert. Bei einer Runde blutgeiler Vampire kann man wohl kaum erwarten, dass die folgenschweren Auswirkungen für die Gebissenen zum Thema werden. Es sei denn jemand aus den eigenen Reihen spielt den bösen Buben und vertritt die Gegenseite. Seinen Ursprung findet der Advocatus Diaboli im Kirchenrecht des 16./17. Jahrhunderts. Ein Geistlicher mimte den Advocatus Diaboli und brachte die Gegenargumente bei Heiligsprechungen. Auf den Namen bin ich 1996 in einer Ausgabe des Spiegels gestoßen und fand die Bedeutung sofort sehr interessant und passend. Zumal unsere Szene einen Gegensprecher zum Einheitsbrei der Charts darstellt, wenn auch nicht gegen die eigene Überzeugung. Um auch den zweiten Teil der Frage zu beantworten: Sicherlich ist auch die dunkle Seite ein Teil der Menschlichkeit. Das beweist das Leben tagtäglich.

Und damit dann zum Abschluss dieses Interviews... Was wirst Du dem "Advocatus Dei" am Tag des Jüngsten Gerichtes in deinem Plädoyer entgegnen?

Tom:
He Junge, ohne mich bist Du arbeitslos! ;-)

Art des Interviews: Email
26.12.2006 by Otti

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