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Rezension (Literatur)

Michael Peinkofer: Orks - Die komplette Saga

Zwei "Orks", einer dümmer als der andere, stolpern von A nach B, kriegen dabei nichts auf die Kette, benehmen sich wie die letzten Vollhonks, leisten überhaupt nichts... Und werden trotzdem absurder Weise gleich dreimal als "Retter von Erdwelt" gefeiert.

Dies ist die kurze und doch prägnante Zusammenfassung der Orks-Saga von Michael Peinkofer, die nun als Sammelband erschienen ist, welcher alle drei Einzelbände der Trilogie in sich vereint: Die Rückkehr der Orks, Der Schwur der Orks und Das Gesetz der Orks.

Dies ist zudem eine Studie darüber, wie man mit Durchschnittskost eine Bestseller-Reihe schreibt. Man nehme einfach ein beliebtes Fantasyvolk als Marketing-Aufhänger, bediene sich mythologisch bei Tolkien bis der Notarzt kommt und schon kaufen die Leute... Hat anscheinend geklappt. Ich hatte mich ja auch gefreut, einen Sammelband der Reihe zu entdecken, die ich mir schon lange (als Ork-Fan) schonmal zu Gemüte führen wollte. Leider habe ich nun - satte 1600 Seiten später - ein sehr fades Gefühl im Magen... Und ich will auch ausführlich erläutern, wieso dem so ist...

Die Welt:
Natürlich sind moderne Fantasystories sehr oft an den Welten von Tolkien angelehnt, ist auch nichts weiter verwerfliches. Peinkofer jedoch "klaut" so dreist, dass man sich unweigerlich fragt, warum er nicht gleich seine Geschichte in Mittelerde ansiedelt: Die Elfen sind grad auf ihrer Abreise in die "Fernen Gestade", Orks sind Elfen, die vom Oberbösewicht seinerzeit "umgezüchtet" wurden... Okay, Hobbits hat Michael Peinkofer ausgelassen. Danke dafür.

Der Hintergrund:
Wie gesagt - Die Elfen hauen ab. Doof, dass genau jetzt plötzlich wieder das ultimative Böse auftaucht und alles bedroht. Kein Klischee wird ausgelassen, tatsächlich laufen alle drei Bücher darauf hinaus, dass die beiden Hauptcharaktere den finsteren "Obermotz" besiegen. Obwohl sie das eigentlich gar nicht tun, weil es ja doch immer andere sind, welche die Leistung vollbringen. Naja, ist ja auch egal. Sind halt trotzdem Helden, weil muss ja so sein. Ach so, und nebenher werden in sinnlosen Kriegen haufenweise Leute verheizt, wobei die Kämpfe eigentlich nie nennenswerten Einfluss auf das Ergebnis der Geschichte haben.

Die Charaktere:
Uh... Jetzt wirds haarig. Hauptcharaktere sind die beiden namensgebenden Orks, zwei Brüder namens Rammar und Balbok, die sich als Vollidioten präsentieren und einem im Vorwort schon vom Autor selbst quasi als Laurel und Hardy-Verschnitte verleidet werden. Manchmal wirken die beiden ganz lustig und sympathisch, sind dadurch wohl dennoch eine der Stärken der Saga, aber im Grunde handelt es sich hierbei nur um platte Figuren, die zudem auch genauso gut als menschliche Dorftrottel oder ähnliches durchgehen würden.
Zudem gibt es Corwyn, den ehemaligen Kopfgeldjäger, der vom Schicksal aus unerfindlichen Gründen zum König von Erdwelt erwählt wird, und Alannah, eine Elfenpriesterin, die seine Gemahlin wird und somit der Unsterblichkeit ihrer Artgenossen entsagt. Kommt einem doch irgendwie bekannt vor, oder? Lustigerweise ist sie die einzige lebende Frau in der Geschichte, die mit Namen genannt wird... Ansonsten gibts nur noch eine verstorbene, verflossene Liebe von Corwyn. 1600 Seiten und nur zwei "wichtige" Frauen, wovon nur eine wirklich an der Geschichte beteiligt ist? Hm... Ach nein vergessen. Es gab ja noch Amazonen, zweie davon auch mit Namen versehen. Aber die sterben halt auch bald wieder, also kann man die auch ignorieren.
Alle anderen Charaktere sind eigentlich nebensächlich und Kanonenfutter. Peinkofer führt sie ein, manche sind sogar ganz cool angelegt, aber sie sterben - mal früher, mal später. Auch tauchen immer mal wieder namenlose Begleiter auf, deren einziger Zweck ebenfalls ist, zu krepieren. Hat was von den Redshirts bei der originalen Star Trek-Serie.
Charakterentwicklungen gibt es zudem keine, bis auf ganz wenige Ausnahmen, die wiederum meist in keinster Weise nachvollziehbar sind.

Die Handlung:
Die ist schnell erzählt. Balbok und Rammar stolpern herum, befinden sich gefühlte 50% ihrer Zeit in Gefangenschaft bei verschiedenen Leuten, überleben aber durch Glück oder komische Zufälle, während um sie herum alle anderen tot umfallen, stehen am Ende jedes Bandes dem jeweiligen Oberbösewicht gegenüber und hauen ihm eins auf die Nuss. Dafür leisten sie nix, werden aber trotzdem als Helden gefeiert und sogar als solche - aus nicht nachvollziehbaren Gründen, in Der Schwur der Orks, vom frisch gebackenen König Corwyn für eine hanebüchene Mission rekrutiert. Mehr passiert eigentlich nicht... Außer dass haufenweise Leute sterben.
Ist aber auch egal, denn wie sollte es anders sein: Propheten haben ja bereits alles vorher gesehen. Wie in so vielen Fantasy-Stories. Ist also im Grunde egal wie sich die Figuren verhalten, die Dinge nehmen ihren vorbestimmten Lauf. *gähn*

Sprache und Stil:
Was ist das eigenentlich für eine Shnorsh, dass jeder Umbal von Fantasy-Autor heutzutage glaubt, er müsse eine eigene Sprache kreieren? Peinkofer macht das natürlich. Er hat ein tolles Wörterbuch für seine Orks erfunden, um dann im Buch immer wieder mal einzelne Begriffe daraus fallen zu lassen. Was macht das für einen Sinn? Außer, den Lesefluss zu stören, weil man dann doch ständig nachschlagen muss, was zur Hölle gerade mal wieder gemeint ist?
Ansonsten ist der Schreibstil des Autors ganz okay, recht flüssig zu lesen und manchmal auch pointiert. Zwischendurch nervt er mit seinen "Schon"-Satzanfängen, die gerade im zweiten Band inflationär fallen... Aber das ist verschmerzbar. Insgesamt ist sein lockerer Schreibstil jedenfalls die große Stärke des Autors.

Logik:
Ich habe es schon oft kritisiert, und tue es auch hier wieder mit aller Deutlichkeit: Fantasy sollte kein Freibrief dafür sein, sich über Zusammenhänge keine Gedanken zu machen! Wenn ich mich beim Lesen ständig nur frage, warum etwas passiert, und wieso ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt, dann läuft in meinen Augen etwas falsch. Natürlich soll Literatur zum Denken anregen... Aber ich für meinen Teil erwarte eher Erkenntnisse und neue Ideen, als dass ich meine Hirnwindungen mit gesammelten Ungereimtheiten belasten muss.

Warum ich die Saga trotzdem durchweg gelesen habe?
Weil ich es kann! Naja, und weil Orks - Die Saga trotz seiner 1600 Seiten extrem leicht konsumierbare Kost ist, die ich mir nunmal gekauft habe, und an der natürlich nicht alles schlecht ist... Auch wenn das bei meiner harschen Kritik so klingen mag. Hier und da musste ich halt doch mal Schmunzeln, vor allem über nette Dialoge und Situationskomiken. Betrachtet man die Geschichte von Rammar und Balbok als mittelmäßigen Slapstick, ist der Gesamteindruck okay. Aber auch nur das.
Und da liegt das Problem: Michael Peinkofer kann sich nicht entscheiden. Wäre seine Buchreihe als Parodie angelegt und wirklich von vorne bis hinten stilistisch darauf fokussiert, dann wäre daraus vielleicht etwas gutes geworden, bei dem viele der oben genannten Kritikpunkte nicht zum Tragen kämen. Mit dem Anspruch, eine ernsthafte Fantasy-Geschichte zu erzählen, fällt Orks - Die komplette Saga aber gnadenlos durch.

Wer also keine hohen Ansprüche an Fantasy hat und einfach nur was zum Schmökern sucht, kann mit dem Sammelband Orks - Die komplette Saga von Michael Peinkofer ein brauchbares Schnäppchen machen. Allen anderen sei geraten, sich den Kauf zweimal zu überlegen.

Veröffentlicht: September 2011
Verlag: Piper Verlag
Umfang: 1600 Seiten
Preis: 20,00 Euro (Taschenbuch)
ISBN: 978-3492702393

Cover

01.02.2012 by Otti

Weitere Beiträge zu Michael Peinkofer:

07.11.2009Johannes Steck(Interview: Auditives)

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